„Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal?“ – so lautet die Frage des Petrus an Jesus. Und die Antwort Jesu: „Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal, sondern bis zu siebzigmal siebenmal.“
(Mt 18,21–35)

Ist ein Bruch gleich das Ende? Ist ein neuer Anfang möglich?

Um das Maß des Vergebens geht’s also. Und das ist mitunter eine der größten Herausforderungen im Leben. Manchmal tragen wir Narben und Wunden ein Leben lang. Sie können mich innerlich auffressen, mein Urteilsvermögen stark beeinträchtigen. Was hilft?

„Kintsugi“ – Die Schönheit des Zerbrochenen

Ein Vergleich aus einer anderen Kultur kann vielleicht helfen. Ich rede von „Kintsugi“, einer aufwendigen japanischen Reparaturtechnik aus dem 15. Jahrhundert.

„Kintsugi“ – wörtlich übersetzt „Goldverbindung“ – besteht darin, Zerbrochenes wieder zusammenzusetzen; Keramikstücke wieder zu einem neuen Ganzen zusammenzusetzen. Dabei werden die „Narben“ – die Bruchstellen nicht kaschiert oder unsichtbar gemacht, sondern mit einem mit Gold oder Silber versetzten Lack bedeckt.

Der „göttliche Lack“ für unser Leben

Als Lebensmetapher auf unser eigenes Leben in Ehe, Familie, Verwandtschaft, Freundschaft, Arbeit und Nachbarschaft übertragen: Brüche, Lebens- und Beziehungskrisen und Verletzungen müssen nicht gleich das Ende sein.

Dazu gibt Jesus uns den „göttlichen Lack“: Vergeben … siebzigmal siebenmal.

Das ist tatsächlich eine große Herausforderung. Aber ich kann es Stück für Stück einüben, durch Vergeben und Verzeihen gesünder zu leben, damit mich nicht Hass und Rachegedanken innerlich zerfressen. Hass verletzt und zerstört die Seele. Vergebung heilt.


Pfr. Hippolyte Ibalayam, Pfarrverbandsleiter