Liebe Pfarrverbandsangehörige,
liebe Mitchristinnen und Mitchristen!

Zuerst ein Fazit: Die Kirche steckt weltweit in der schwersten Krise ihrer jüngsten Geschichte.
Und damit auch wir hier vor Ort.

Unbewegliche und lähmende Traditionen und Machtstrukturen, Missbrauch-Skandale, Missachtung der Rolle der Laien insgesamt und der Frauen insbesondere, Image- und Glaubwürdigkeitsverlust, Streit um den „Synodalen Weg“, fehlender Nachwuchs … das alle sind Themen, die Schlagzeilen machen.

Wie von einem Pestkranken will man am liebsten sich fern von ihr halten.
Die dramatischen Zahlen der Kirchenaustritte sprechen eine deutliche Sprache.
Müssen die Christinnen und Christen sich aufgeben?
Oder gibt es noch eine Hoffnung?

Mitten in und trotz dieser „Mist-Stimmung“ ruft der Diözesanrat der Katholiken unter dem Leitwort Christ sein. Weit denken. Mutig handeln zu neuen Pfarrgemeinderatswahlen im März 2022.

Bei dem Vergleich mit dem Pestkranken, von dem man sich am liebsten fernhält, fällt mir eine Stelle im Evangelium ein:

Die Geschichte des Oberzollbeamten Zachäus (Lk 19,1-10), der von allen in Jericho schief angeschaut und buchstäblich gemieden wurde. Er war zwar reich und mächtig geworden durch sein Geschäft mit der römischen Besatzungsmacht und durch Betrug, genoss trotzdem bei den Leuten keinerlei Ansehen. Diesen in Verruf abgefallen Menschen treibt aber im Innersten seines Herzens eine (später) heilsame Unruhe. Auch er will Jesus sehen, der in die Stadt gekommen ist, und steigt deshalb auf einen Baum, weil er klein ist.

Jesus, der vorbeikommt erkennt seine Sehnsucht, hält an, sieh ihn an und sagt zu ihm: Heute möchte ich bei dir zu Gast sein.
Jesus schenkt ihm wieder An-Sehen. Zachäus erfährt das Heil und ist ein neuer Mensch…

Klingt wunderbar… ist es auch…, aber zurück zur Realität der Kirche, die alles An-Sehen verloren hat.

Wir, die Basis, d.h.: die Frauen und Männer, die Kinder, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren, sind die Kirche vor Ort.

Wir tragen eine lebendige Hoffnung in uns.

Bei der PGR-Wahl geht es nicht um ferne Strukturen und Ämter, sondern um die Gestaltung unseres konkreten (Glaubens-)Leben im Ort – und damit um das Heute und die Zukunft eines jeden konkreten Kindes, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren – mit Gesicht und Namen – bei uns in unserer Pfarreigemeinde.

Untätig bleiben und nur zuschauen würde in diesem Fall bedeuten:
Uns selbst und die Lebendigkeit und Attraktivität unserer Kirchengemeinde preisgeben.

Deshalb mein Appell an alle Pfarrverbandsangehörigen, denen die Zukunft, die Lebendigkeit und Attraktivität der je eigenen Pfarrgemeinde am Herzen liegt:

Christ sein. Weit denken. Mutig handeln bedeutet:

die mir persönliche Beziehung zu Jesus pflegen, meine innere Sehnsucht nach der Begegnung mit ihm wachhalten, und daraus die Bereitschaft, das kirchliche Leben meiner Gemeinde mitzugestalten.

Wir sind das Gesicht der Kirche vor Ort!

„Fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis (in der Krise), beharrlich im Gebet“ (Röm 12,12), lasst uns unserer Kirche vor Ort ein ansehnliches Gesicht geben. Dies bedarf des Engagements aller Menschen guten Willens.  Dazu ruft uns die Pfarrgemeinderatswahl. Wir haben es in der Hand.